
Stets einsatzbereit?
Dezember 2, 2021
Nach Pfändungs- und Überweisungsbeschluss
Dezember 4, 2021Bundesarbeitsgericht erteilt Arbeitszeugnis in Tabellenform eine Absage
Rechtsstreitigkeiten über Arbeitszeugnisse gibt es bereits viele. Dieser aktuell veröffentlichte Fall
des Bundesarbeitsgerichts (BAG) bringt eine bislang neue Facette dieses arbeitsrechtlichen Zankapfels
zutage: Muss sich ein Arbeitgeber mit einer Benotung wie aus Schulzeiten zufriedengeben? Lesen Sie hier
die Antwort.
Eine Arbeitgeberin erteilte einem Elektriker nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses ein
Arbeitszeugnis. Dieses war tabellarisch aufgebaut und mit einzelnen Noten versehen - es sah aus wie ein
Schulzeugnis. Der Elektriker meinte nun, seine ehemalige Arbeitgeberin habe seinen Anspruch auf
Erteilung eines qualifizierten Zeugnisses damit noch nicht erfüllt, und klagte ein Zeugnis ein.
Das BAG meinte, ein Arbeitgeber erfüllt den Zeugnisanspruch eines Arbeitnehmers nicht dadurch,
dass er Leistung und Verhalten des Arbeitnehmers im Arbeitsverhältnis in einer tabellarischen
Darstellungsform beurteilt. Die zur Erreichung des Zeugniszwecks erforderlichen individuellen
Hervorhebungen und Differenzierungen in der Beurteilung lassen sich nur durch ein im Fließtext
formuliertes Arbeitszeugnis angemessen herausstellen.
Im Rahmen der Leistungsbeurteilung hat der Arbeitgeber darzustellen, wie der Arbeitnehmer die ihm
übertragenen Aufgaben erledigt habe - anhand von Bewertungskriterien wie Fähigkeiten, Kenntnisse,
Fertigkeiten, Geschicklichkeit und Sorgfalt sowie Einsatzfreude und Einstellung zur Arbeit. Bei den
Angaben über das Verhalten von Beschäftigten ist insbesondere deren Verhältnis gegenüber Mitarbeitern
und Vorgesetzten sowie ihr Einfügen in den betrieblichen Arbeitsablauf zu beurteilen. Ein Zeugnis, in
dem eine Vielzahl einzelner Bewertungskriterien gleichrangig nebeneinander aufgeführt und mit
"Schulnoten" bewertet wird, enthält nicht den hierfür erforderlichen Informationswert. Schließlich
verlieren somit prägende Merkmale im Zusammenhang mit den übrigen Bewertungskriterien ihre
Bedeutung. Besondere Eigenschaften, Kenntnisse oder Fähigkeiten, die den Arbeitnehmer für neue
Arbeitgeber interessant machen könnten, lassen sich daraus nicht ableiten. Folglich muss die
Arbeitgeberin ein neues Zeugnis erstellen.
Hinweis: Die Beurteilung in einem Arbeitszeugnis mit Schulnoten und der Aufbau des Zeugnisses in
Tabellenform ist also unzulässig. Der Arbeitgeber hat in einem Fließtext die Leistungen und das Verhalten
des Arbeitnehmers individuell zu beurteilen.
Quelle: BAG, Urt. v. 27.04.2021 - 9 AZR 262/20